Berichte

Tagebuch Visitationsreise

verantwortlich: Georg Klein

- Donnerstag, 08.08.2019

Reise nach Rwanda: Freiburg (ab 07:30 -Basel (an 08:25) (ab 11:15) – Istanbul- Kigali

- Freitag, 09.08.2019

Centre Christus Remera, Kigali

- Samstag, 10.08.2019

Projekt: GIRUBUNTU PEACE AKADEMY

Viele burundische Flüchtlinge haben im Krieg zwischen Hutu und Tutsi Unvorstellbares erlebt: Ihre Angehörigen wurden ermordet. Sie verloren Haus und ihre Existenzgrundlage. Vor allem Frauen und ihre Kinder wurden Opfer körperlicher und seelischer Gewalt. Wie sollen die Opfer mit ihren traumatischen Erfahrungen fertig werden und wie sollen sie ihren  früheren Peiniger begegnen? Ist Versöhnung und Friede zwischen Opfern und Tätern heute möglich?

Zu diesem Thema führte RAPRED-girubuntu e.V. gemeinsam mit der Ackermann Gemeinde mehrere Tagungen durch. Dabei zeigten sich Parallelen zwischen dem Schicksal vor allem der Frauen während und nach dem Ende des zweiten Weltkrieges in Deutschland und dem der Frauen während und nach dem Völkermord in Burundi und Rwanda. Die zentrale Erkenntnis der Tagungen war: Die Opfer brauchen sowohl seelische Unterstützung aber auch eine sichere Existenzgrundlage.

Aus dieser Erkenntnis entstand ein Hilfsprojekt, das auf zwei Säulen steht:

·       Der Ausbildung von 20 Multiplikatoren, die Personen unterstützen, traumatisierte Flüchtlinge psychisch zu betreuen, und

·       die finanzielle Unterstützung von Frauen bzw. Familien, die als Flüchtlinge in Ruanda leben, als Hilfe zur Selbsthilfe (Minikredite).

Das Projekt fand die finanzielle Unterstützung der Aktion Hoffnung und der SEZ (Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg).

Am 10. August 2019 konnten wir nun der Abschluss der zweiten Ausbildung von weiteren 20 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Centre Cristus Remera in Kigali feiern. Dr.Gérard Birantamije, Dr.Innocent Ruguaragu, Dr. Deogratias Maruhukiro, Cindy Cassady und Georg Klein überreichten den Absolventinnen die Zertifikate. Sie wünschen ihnen, dass sie vielen Flüchtlingen helfen können. Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren äußern auch Anregungen und Wünsche: Es wäre hilfreich, wenn es einen Reader mit den Lehrinhalten gäbe und eine Weiterbildung, um noch besser für die Arbeit mit den Klienten gerüstet zu sein.

 

 

Sonntag, 11.08.2019

Projekt Sangwe: Treffen mit Vertreter*innen der Jugendlichen und Teilnahme am Friedensfestival: Internationaler Jugend-Tag

 In Kigali betreibt Maison Shalom ein Centre Communautaire,  die Oasis of Peace mit den Bereichen: Espace pour enfants  (Kinderbereich), Centre d´apprentissage (Lernzimmer), Restaurant, Elite Design / Atelier de Couture (Kulturwerkstatt), Cyber Internet, Sall de Conférences (Konferenz-raum), Encadrement Socioculture (soziokultureller Rahmen). Wir besuchten dort den internationalen Tag der Jugend.Thema des Tages ist: Le jeunesse, disons non á l´usage abusif des drogues, aux grossesses non désireées et luttons contre le  VIH/SIDA (Jugend, kämpfen wir gegen Drogenmissbrauch, ungewollten Schwangerschaften und HIV.)

Eröffnet wird der Tag mit dem Auftritt der Gruppe „The Royal Drummers of Burundi“. Die Gruppe besteht aus geflüchteten jungen Männern. Das gemeinsameTrommeln stärkt den Zusammenhalt und bewahrt die kulturelle Identität unter den geflüchteten jungen Männern.

Anschließend bringen junge Männer und Frauen ihre Problemlage mit einem Theaterstück auf die Bühne: Entwurzelt sind sie häufig anfällig für Drogen und suchen das schnelle Glück in Bekantschaften, die häufig zu ungeschütztem sexuellem Kontakt führen oder gar sexuellem Missbrauch. Die tragischen Folgen können eine sozial und wirtschaftlich ungesicherte Schwangerschaft oder eine HIV-Infektion sein. Das Lehrstück endet mit der Empfehlung, Beziehungen sorgfälltig auszuwählen und sich vor Infektionen zu schützen.

 Das das besonder notwendig ist, erhärtet ein Psychologe von  Maison Shalom unter anderem mit dem Fakt, dass die Infektionsrate Jugendlicher mit HIV bei 50% liegt.

 Damit die Jugendlichen nicht in diesen Teufelskreislauf geraten und eine Zukunftsperspektive haben, bietet ihnen Maison Shalom in ihrer Oasis of Pease  Bildung, sozio-ökonomische und psychosoziale Unterstützung.

Montag, 12.08.2019

Verschiedene Begegnungen und Treffen in Kigali: Humuriza: Berufsausbildung, Kleinkredite

 

 

Minikredite

Besuch einer Kooperative geflüchteter junger Frauen. In Burundi führten sie  ein gut bürgerliches Leben bis der Volkskrieg ihre Existenz zerstörte und sie flüchten mussten. Die Chancen sich in Rwanda eine bürgerliche Existenz aufzubauen sind schlecht. Die meisten Frauen sind alleinstehend mit mehreren Kindern zwischen 0 bis 5 Jahren. Die Väter leben in einem anderen afrikanischen Land oder in Europa oder melden sich nicht.

 

Der Alltag ist geprägt von der Sorge um das Notwendigste: Unterkunft, Kleidung, Ernährung, Medikamente etc. Das  alltägliche Leben ist nur in einer solidarischen Gemeinschaft zu schaffen. So haben die Frauen eine Kooperative gegründet, die sich in einem Centrum trifft. Hierfür haben Sie ein Grundstück mit Gebäude erworben.

 Das Zentrum liegt direkt gegenüber einer Gedenkstätte an den Völkermord.Touristen werden zur Besichtigung an- und abgefahren, ohne dass sie die Überlebenden in der Nachbarschaft wahrnehmen. Die könnten das Geld für die Besichtigungstour gut gebrauchen.

 Die Kooperative hat zwei Arbeitsbereiche: Hühnerfarm und Landwirtschaft. Jeweils eine Gruppe von 5 Frauen ist zuständig für einen Arbeitsbereich. Um einen Arbeitsbereich aufzubauen, ist ein Stammkapital pro Mitglied von 4.000 € erforderlich. Davon werden Küken, Ställe, Futter, Pflanzen, Arbeitsgeräte angeschafft. Felder und Wasserpumpen müssen gemietet werden. Um bei den Kosten für die Pumpe zu sparen, werden die Felder aber auch mit der Gießkanne gewässert. Da es an Schädlingsbekämpfungsmitteln fehlt, fällt die Ernte befallener Felder aus.

Alle Ernten und Produkte gehören der Gemeinschaft. Sie entscheidet über deren Vermarktung oder Verteilung unter den Mitgliedern. So wird das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder gestärkt.

Da es an Stammkapital fehlt, haben nicht alle Frauen der Gemeinschaft einen Arbeitsbereich. Sie hoffen auf Spenden für das notwendige Stammkapital, damit sie endlich von der Warteliste kommen und einen Arbeitsbereich haben. Die Gemeinschaft plant eine Art Restaurant, in dem auch die Produkte verkauft werden können.

 

Dienstag, 13.08.2019

Besuch der Deutschen Botschaft

 

Am 13.08.2019 besuchten wir die Deutsche Botschaft in Kigali. Dort hatten wir ein informatives Gespräch mit Frau Inga Kündler-Preuß, Deputy Head of Development  Cooperation (stellvertretnede Leiterin für Entwicklungszusammenarbeit) und Frau Lucy Schalkwijk (Program Promotion of Economy and Employment, Component Manager TVET and Skills Development) (Kompetenzentwicklung und Berufsbildung) der GIZ (Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit). Wir berichteten über unsere Projekte und Vorhaben von RAPRED-girubuntu e.V. in Rwanda, unsere Initiative zum Aufbau einer Friedenakademie, die Ausbildungsförderung von Geflüchteten und unsere Untertützung für Studierende und Auszubildende bei der Suche nach einem Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz in Deutschalnd. Wie auf der Homepage der Botschaft zu lesen, unterstützt Deutschland „Rwanda bei Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaft, durch den Aufbau eines dualen Berufsbildungssystems, Arbeitsmarktinterventionen, Maßnahmen zur Förderung der Privatwirtschaft und des Finanzsystems. Flankiert werden die Maßnahmen durch eine Beratung der ruandischen Regierung in der Wirtschafts- und Investitionspolitik. Primäres Ziel der Maßnahmen ist, die Beschäftigung von qualifizierten Arbeitskräften zu erhöhen und breitenwirksames Wirtschafts-wachstum.“ Frau Kündler-Preuß erläuterte mit welchen Arbeitsstrukturen und Maßnahmen die Deutsche Botschaft diese Aufgabe wahrnimmt an Einzel-beispielen wie das einer Internetplattform, die Arbeit suchende Fachkräfte und Firmen zusammenbringt. Bei den Aufgaben der Botschaft ist die GIZ ein wichtiger Kooperationspartner. Frau Lucy Schalwik gab uns einen Überblick über die Organisationsstruktur, Ziele und Arbeitsweise der GIZ in Rwanda. Wir danken den Gesprächspartnerinnen für die Informationen, insbesondere für das Angebot von Frau Kündler-Preuß, weitere und konkretere Fragen zu beantworten bzw. uns an weitere Akteure der Entwicklungszusammenarbeit weiterzuleiten.

 

 

 

Mittwoch, 14.08.2019

Besuch des Pater Vjeko Zentrums

Pater Deogrias und Georg Klein besuchen das Pater Vjeko Zentrum in Kivumu und übergeben eine Spende von Drago Petrovic.

Die Menschen von Kivumu waren immer schon sehr arm. Viele Kinder und Jugendliche hatten keine Möglichkeit, eine weiterführende Schule zu besuchen, da es in der näheren Umgebung keine gab. Der Besuch einer weiter entfernten Schule bedeutet auch, dass die Jugendlichen in der Woche dort wohnen müssen, was wiederum erhebliche Kosten für die Eltern zur Folge hat - Kosten, die die meisten Einwohner nicht aufbringen können. Deshalb hatte Pater Vjeko im Jahre 1994 den Bau einer Sekundarschule in Kivumu geplant. Der Ausbruch des Völkermordes machte jedoch die

Umsetzung des Projektes unmöglich. Nach Kriegsende kehrten viele Ruander, die in die Nachbarländer geflohen waren, wieder in ihre Heimat zurück. Die Not war unbeschreiblich, so dass P. Vjeko sich gezwungen sah, das für den Bau der Schule bestimmte Land an die heimkehrenden Familien zu verteilen. P. Vjeko Curic wurde am 31. Januar 1998 am Steuer seines Wagens in Kigali durch sieben Schüsse ermordet. Nach seinem Tod setzten die Franziskaner die Hilfe für die Menschen in Kivumu fort und setzten auch den Plan für eine Schule in die Tat um. Im Jahre 1999 begannen sie mit einer zweijährigen Ausbildung der ersten 40 Mädchen und Jungen im Maurer- und Schneiderhandwerk. Im Jahre 2001 wurde die Schule um den Bereich Tischlerei erweitert. Heute hat das Pater-Vjeko-Zentrum etwa 700 Kinder und Jugendliche, die eines von den Bildungseinrichtungen besuchen – den Kindergarten, die Grundschule (die erst jetzt gegründet wurde), zwei Realschulen – eine technische Schule und eine Berufsschule. Viele von den Auszubildenden wohnen im Zentrum. Das Konzept für die Ausbildung sieht einen hohen Praxisanteil vor. Das ist mit der Grund dafür, dass mehr als 90 Prozent der Jugendlichen eine Arbeit finden und heute ein besseres Leben führen.

 

Freitag, 16.08.2019

Gespräch mit Bischof Philippe Rukamba

Katholischer Bischof von Butare

 

In Ruanda (und Burundi) spielt die Kirche im Leben der Menschen, besonders der Flüchtlinge eine große Rolle. In der Kirche suchen die in vielerlei Hinsicht heimatlos Gewordenen Gemeinschaft und Trost. Die Kirchen sind gut besucht. In Burundi nehmen bis zu 30.000 Gläubige an einem Sonntagsgottesdienst teil. Bischof Rukamba berichtet, dass die Gemeinden mit den seelischen Verletzungen und Traumata des Völkermordes alltäglich konfrontiert sind.  Frauen, deren Angehörige oft vor Ihren Augen getötet und die selbst Vergewaltigung erfahren haben, brauchten geistliche, seelische, soziale und wirtschaftliche Unterstützung. Er begrüßt die Initiative für eine Friedensakademie von RAPRED-girubuntu e.V., die schon erste konkrete Projekte hervorgebracht hat, wie die Vergabe von Mikrokrediten und die Ausbildung von Traumaexpertinnen und -experten in Kooperation mit Traumahelp Rwanda. Nach Bischof Rukamba ist es notwendig, die Aus- und Weiterbildung von Traumaexperten auszuweiten, damit es im ganzen Land und in den anderen betroffenen Ländern (z.B. in Burundi) ausreichend ausgebildete Traumahelferinnen und -helfer gib. Ebenso unterstützt er das Vorhaben weitere Universitäten wie zum Beispiel die Universität von Butare in das Forschungsprojekt einzubinden. Er wird helfen Kooperationspartner zu gewinnen.

 

Samstag, 17.08.2019

Besuch Kigali Genocide Memorial

 

Gwibuka heißt Erinnerung. Erinnert wird an die 250.000 in Kigali und Umgebung ermordeten Tutsi, die in dieser Gedenkstätte bestattet sind. Dazu wurden ab 2001 auf dem Gelände der späteren Gedenkstätte acht Massengräber mit Opfern angelegt, die aus hunderten von flachen Massengräbern in Kigali stammten. Später wurden drei weitere Massengräber angelegt, die aus drei Meter tiefen Grabkammern aus Beton bestehen. In ihnen sind Särge gestapelt, die die menschlichen Überreste von bis zu 50 Opfern enthalten. Die Bestattungsart in Särgen ist ein Symbol der Würde. Noch lange sind nicht alle Toten geborgen. Ein Schulleiter aus der Nähe von Butare berichtete uns, dass erst vor wenigen Wochen nach einem Hinweis von einem Schulkind Leichenteile von Opfern ausgegraben wurden. Nur, wenn man die Geschichte des Völkermordes kennt und Erlebnisberichte von Überlebenden gehört hat, kann man annähernd die heutige seelische und soziale Not der Überlebenden und Flüchtlinge erfassen, nicht begreifen. So ist die Gedenkstätte nicht nur ein Erinnerungs- sondern auch ein Lernort.

 

 Mittwoch, 14.08.2019

Honoré Boua: Reise nach Bujumbura. Besuch von Projekten in Burundi

 

Samstag, 17.08.2019

Besuch in der Genozid-Gedenkstätte Kigali

ergänzende Gespräche mit Projektvertreter*innen

 

Sonntag, 18.08.2019

Kigali: (letzte Gespräche)

 

Montag, 19.08.2019  

Vorbereitung auf Rückflug, Bye Bye Rwanda : Kigali (ab 00:35)

 

Dienstag, 20.08.2019

Ankommen in Basel

 

 

 

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